Dienstag, 3. Februar 2015

Schwerelos im Erfahrungsraum

In Museen, Kunstvereinen und nicht zuletzt in der Galerie Schütte ist Nina Brauhauser zu Haus, wo sie schon 2008 Fotografien inszenierter Papierkörper zeigte. Ihr Thema: Die Überführung konstruierter Körper  in hermetisch geschlossene Flächen und umgekehrt, die Anordnung von Flächen zu Fragmenten von Raum. Konkret und abstrakt zugleich wirken ihre Arbeiten, wie die Erinnerung an eine längst vergangene Raumillusion. Schwerelose Flächen, die ihre körperhaft raumbildende Funktion aufgegeben haben, bestimmen nun zugunsten der entmaterialisierten Oberfläche das Bild. Objektillusion und Fläche verschweben vor einem diffusen Grund, so dass das Raumgefühl des Betrachters mit den Koordinaten von Tiefe, Figur und Grund nachhaltig irritiert wird. 

 Einen weiteren experimentierfreudigen Schritt unternimmt die Düsseldorfer Künstlerin, wenn sie nun Fotografien eigener Zeichnungen vorstellt. Striche oder Bündel von Linien schnell und gekonnt über Folien gezogen gewinnen im Gegenlicht der Fotografie eine plastische Dimension. „Die weiße im
materielle Fläche ist von einer raumdefinierenden Wirklichkeit umgeben, mit der sie in Beziehung tritt und gleichsam ihre Auflösung erfährt“, so die Künstlerin und fordert damit eine kontemplative Haltung des Betrachters ein.
Von der Linie in der Fotografie geht es vorwärts in den Raum. Die ehemalige Folkwang Schülerin, geb.1980, stellt ausgehend von ihren Zeichnungen filigrane Raumkörper aus Aluminium her: abstrakt und in schwebendem Weiß, so dass die Raumlinien leicht und punktgenau scheinbare Schwerelosigkeit  entfalten können. Für den Betrachter entstehen Erfahrungs- und Gedankenräume, die Rationales und Emotionales, Bewusstes und Unbewusstes verdichten können.
bis 07. 03. 15, Galerie Schütte, Essen Kettwig, Di-Fr 14.30-19, Sa 11-14 Uhr Hauptstraße 4

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