Samstag, 18. April 2015

Artishocke  unter neuem Dach

Angefangen hat es alternativ als Hinterhofgalerie, nun ist Rolf Struve ein gutes Stück nach vorn gerückt. Dorthin, wo Steeler- und Moltkestraße sich kreuzen, und so  vielleicht auch die Position der Galerie markieren. Kein Schickimicki erwartet einen dort, sondern urbanes Umfeld, das die Spuren sozialen Wandels zeigt. Eine Durchgangs- und Übergangssituation, wo der „Briefkasten neue Kunden bringt“. Menschen, die Muße haben, entdecken die neue Galerie, und nicht die, die an der Straßenbahnhaltestelle Wartenden. Ein Umfeld ist es, das sich entwickeln wird. Direkt neben der Artishoke gibt es eine weitere Galerie, der Raum für eine dritte steht fast schon bereit.
Die Eröffnungsausstellung in den zur Straße hin einsehbaren hellen Räumen galt dem Bereich der Glaskunst, um „ein ungewohntes Medium mit repräsentativen Künstlern zu festigen“. Den Maler, Designer und Bildhauer Otmar Alt stellte Struwe als Glaskünstler für Gebrauchsgegenstände mit farbig skurrilen Applikationen vor, wohingegen der in Antwerpen lebende Rumäne Edward Leibovitz verschiedene Materialien, Bronze, Marmor, Glas, miteinander konkurrieren lässt. Jüdisch religiöse und archaische Motive spielen dabei eine Rolle. Gerd Kruft und Jörg Hanowski wurden mit eher abstrakten Arbeiten gezeigt.
Fotografien von Georg Pieron sind nun in der 2. Ausstellung zu sehen. Vorwiegend monochrom und in weichmalendem Schwarz-Weiß zeigt der Essener Künstler Essener Charakterköpfe: Portraits von Menschen mit markanten Zügen, eigenwilligen Posen und individueller Ausstrahlung.
Übertätowiert und vom Betrachter abgewandt ist Jörg Meusers Portrait ein Stillleben fast ebenso wie Rajka mit Kappe, Kippe, Lederjacke und fulminantem Silberschmuck. In dunklem Halbschatten konzentriert ist Kai Struwe fotografiert, Musiker von Helge Schneider und vom Spardosenterzett, und auch die Essener Kabarettisten Hagen Rether und Jürgen Becker werden in auffallend ernsthafter Pose erfasst .
Außerdem ist eine Serie vom Soldatenfriedhof Lommel in Belgien zu sehen, die in strengem Schwarz-Weiß die Opfer des Krieges dokumentiert.   
Am 1.5. wird Rolf Struwe als Kurator die Scheidtschen Hallen in Kettwig bespielen mit 10 Absolventen der  freien Essener Kunsthochschule. (HBK)
Artishocke, Steeler Str. 330 (Ecke Moltkestr.), Sa u. Mi 14-18.00 u.n.V. unter 0179-3974214

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