Dienstag, 7. April 2015

Detlef Orlopp in der Galerie Obrist


Mit dieser Schau knüpft Torsten Obrist nicht nur an die umfangreiche Orlopp Retrospektive im Folkwang-Museum an, sondern auch an die galerieeigene Ausstellungstradition. Fotografie ist hier zum tragenden Medium avanciert, in der Ausstellungsreihe zur Schule Otto Steinerts ebenso wie bei der findigen Neuentdeckung multimedial arbeitender Künstler wie David Lynch oder Dieter Nuhr.
Gut gelaunt, lässig in Jeans, cool im Humor und vor ganz großem Publikum brillierte Dieter Nuhr in der Galerie Obrist mit einem fulminanten Auftritt in Sachen Kunst. Großformatige samtmatte Oberflächen, auf Reisen quer durch die Kontinente fotografiert, zeigen ein durch und durch malerisches Verständnis von Fotografie. „Fremdes Terrain“ so der Titel der Schau sammelt Alltagsspuren fremder Kulturen, ironiefrei und ohne moralischen Zeigefinger. Indien, Äthiopien, Marokko, Myanmar - unauffällig und ruhig wirken die menschenleeren Ansichten wie leise und vieldeutige Ausschnitte aus einer lärmenden Welt. Und damit zeigen sie ein neues Bild des Ratinger Satirekünstlers, der während der Vernissage kurz verschwinden musste: zu einem zweistündigen Auftritt in der ausverkauften Grugahalle, verfolgt von einem Schwarm fotografierender Medienmenschen.

Ganz anders der Auftritt des ehemaligen Steinert-Schülers Detlef Orlopp! Vor ausgesuchtem Publikum zeigte der 78-jährige ehemalige Folkwang-Schüler fast bescheiden seine großen Fotografien als Digitaldrucke in kleiner Auflage. Felsenlandschaften und Seestücke in klarem Schwarz-Weiß abstrahiert er zu streng komponierten, fließenden Formelementen. Das Betrachten der Natur erfordert Distanz, eine Wahrnehmungsweise, der Detlef Orlopp in seiner Kunst folgt. Denn nur aus der Entfernung erkennt der Betrachter das Bild, aus der Nähe baut es sich aus ungezählten, kontrastreichen Strukturen auf.Orlopps Arbeiten gehen weit über eine dokumentarische Naturbeschreibung hinaus. Aus Seestücken werden Lehrstücke über das Sehen, die verhindern, dass man achtlos vorüberläuft - an den Ereignissen der Natur und denen der eigenen Wahrnehmung.

Bis 18. 4. Galerie Obrist, www.galerie-obrist.de Kahrstraße 59, 45128 Essen, Mi-Fr 12-18, Sa 10-16 Uhr

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