Dienstag, 14. April 2015

Dickicht

Sieht so die japanische Variante zeitgenössischer Fauvisten aus?
Eine großartige Synthese aus fließender Farbe, Fläche und phantastischer Narration wird in der Galerie Frank Schlag gezeigt. Diese zweite Schau des Japaners Tomomi Morishima lässt den Besucher wohlig durchatmen. Ein Fest der Farbe frei von Berührungsangst vor klassischer Moderne wird ganz selbstverständlich, ohne viel Wind und Wirbel in Szene gesetzt. Freuen kann man sich, dass eine solche Malerei im Zeitalter des Wiederkäuens von Plagiaten und Zitaten noch möglich ist. Und dass es Bildauffassungen gibt, die frei sind von Attitüde, frei von der Anstrengung, mit dem Kommerz des Kunstmarktes zu kokettieren.
Es fängt an beim Format: Altbauwände füllende Arbeiten, 2,50 zu 2.10 m groß, hängen gegenüber von betont kleinen, die dennoch ihre Selbstständigkeit bewahren. Er brauche, so der Künstler, ungeachtet vom verbrauchsfördernden Verkauf das große Format zur Entwicklung von Farbe, Form und Narration. Letztere nämlich nimmt in seinem Werk zentralen Stellenwert ein. Rückenfiguren, Schreitende, Hockende nehmen abgewandt vom Betrachter in sich gekehrte Haltungen mit versunkenen Posen ein. Traumwandlerisch zwischen floralen, oft tropisch anmutenden Szenerien bewegen sie sich und gehen einfachen Tätigkeiten in arkadisch anmutenden Landschaften nach.
Hauchdünn oder gedrippt fließen Farbharmonien in feinsten Abstufungen, werden betont durch leuchtende neonfarbige Intervalle. Kompositionen in sommerlichem Blaugrün und herbstlichem Ocker geben den Grundakkord, vor dem oft menschenleere Szenerien schweben, durchzogen von linearen und architektonischen Elementen. Die Bilder scheinen  von Zeitlosigkeit und Versunkenheit geprägt ebenso wie von Dynamik und Wandlung.
In den Titeln, oft Kunstworte,  klingen bewusst gesetzte Leer- und Assoziationsräume an. Snow Pear nennt der Künstler ein kleines Portrait, Rula oder Drizzle eine magische Landschaft. Solcherlei Bezeichnungen führen Rätselhaftes ein anstatt Lösungen vor - für positive, lichtvibrierende Stimmungen, in die man eintauchen und sich finden kann.
Der Künstler lebt heute in Karlsruhe, wurde 1984 in Paris geboren, wuchs in Hiroshima auf, studierte Kunst in Tokio und ab 2006 freie Malerei bei Prof. Helmut Dorner.
Bis 15.5. 2015, Galerie Frank Schlag, Meisenburgstr. 173, Di-Fr 14-19, Sa 11-16.00

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