Samstag, 4. April 2015

Mashup Royal

Holger Kurt Jäger arriviert mit einer gereiften, umfangreichen Schau im Kunstraum. Wie aus dem Nichts? Das meint, wer an die berühmt berüchtigten Waschlappen denkt, die er mit Schurkenportraits und denen anderer Promis bemalte und auf der Art Fair Köln 2011 an einem Wäschetrockner präsentierte. Für Furore sorgte diese Aktion, lockte Medien und Besucher aus der Reserve. Mit dem Remix aus High and Low, Hohem und Banalem, Originalitätsanspruch und Vermarktungsstrategie rockte der Newcomer den Kunstbetrieb auf. Schnell schaffte er es auf die Titelseiten von Gazetten, Magazinen und Kunstkritik. Die jedoch stand dem Phänomen Jäger zunächst ratlos gegenüber. Sollte man ihn früh und vielleicht unverdient hypen oder lieber verdammen angesichts des unbeschwerten Umgangs mit Kunst? Angesichts von poppig bunten Bildern, die Inhalte andeuten, von denen keiner so recht weiß, wie sie zuzuordnen sind.
Holger Kurt Jägers Antwort kommt prompt. „Mashup Royal“ lautet die selbstbewusste Devise, mit er Altbekanntes sampelt: Wie ein DJ in Sachen Kunst, der Alltägliches, Skurriles, Mediales, Fantasy und Alltag aufmischt und es mit lockerer Hand neu collagiert. In einer Malweise, die von galantem Understatement zeugt, angesichts der modern altmeisterlichen Malweise und sketchartigen Inhalte, die kaum jemand lückenlos zusammensortiert. Logische Leerstellen sind einprogrammiert, eiern, leiern, lösen sich oder werden ganz einfach überspielt.
Jugendportraits in vieldeutiger Dreierkombination taucht Jäger in glühendes Rot: Ein Schlafzimmer-, ein tiefgründiger, ein optimistischer Blick driften zielsicher am Betrachter vorbei. Es sind Putin, Merkel, Obama, die Mächtigen vereint im kindlichen Portrait. Gegenüber hängen klassisch anmutende Stillleben von Pflanzen frisch oder verwelkt in Vasen, dazu ein zerzaustes, zotteliges Wesen. Was es ist? „Ein Faultier“, so der Künstler, das in Zeitlupe sein Leben verpennt und dessen Stillstand den Begriff Stillleben dynamisiert.  
Andere Bilder wirken rätselhaft und sind randvoll mit beißender Ironie, medialen und kunsthistorischen Zitaten. Pluto, der Gott des Reichtums und Tyche, zuständig für Schicksal und Zufall, wird nicht mit Füllhorn, sondern Thermobehälter ausgestattet. Dazu gesellen sich ravende Hipster und eine Mel Ramos-Blondine, deren entblößte Beine nahtlos in eine Spülbürste übergehen. So skurril Jägers Einfälle auch sind, sicher ist: Tabus und Denkverbote kennt er nicht und wird sie sich auch nicht aneignen.
bis 25.4.15, Kunst-Raum Schulte-Goltz+Noelte,
Rüttenscheider Str. 56, Di-Fr 12-19, Sa 10-16 Uhr

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