Samstag, 6. Juni 2015

Aktuelle Chinesische Abstraktion

Noch ist Chinesische Abstraktion kein feststehender Begriff,  könnte es aber werden, wenn das, was in der Galerie Schlag gezeigt wird, auch von musealer Seite kuratiert würde. Eine in sich ruhende, abstrakte chinesische Malerei wird präsentiert, die sich gegen figurativen Polit-Pop und wilde Malgesten ebenso abgrenzt wie gegen aufgeregten Gegenwartsbezug. Es ist eine leise Malerei, die kulturelle und handwerkliche Tradition reflektiert und diese zu einem Statement der Moderne integriert.
17 Künstler, darunter drei Künstlerinnen, stellen ca. 60 Arbeiten aus. Sie spiegeln wider, was derzeit auf dem Kunstmarkt passiert, was gekauft wird, und wonach sich ein Kunde sehnt, der genug hat von lauter Malerei in ausdrucksstarker Farbe. Ausgewogenheit in handwerklich aufwändigen Malprozessen, Ruhe, Geduld und eine vielleicht Zen-buddhistische Gelassenheit kehren mit diesen Arbeiten ein, von denen jede die Mühe, die es kostet, bescheiden verbirgt, eine solche Meisterschaft zu erreichen.
Manche Arbeiten wirken aus der Ferne wie monochrome Flächen. Aus der Nähe erahnt der Betrachter, dass in einem zart farbigen Bleigrau unüberschaubar viele, bis zu 400 Graustufen enthalten sind, die mit- und aufeinander wirken. Andere Bilder leuchten in Rot, Grün oder getrübtem Blau und geben erst dem zweiten Blick preis, dass sie labyrinthartige Liniengeflechte enthalten, ohne Anfang und Ende, ohne Überschneidung und Ziel, außer dem, über Kunst, im Prozess des Arbeitens und des Betrachtens Ruhe zu finden. Vielleicht Demut zu entwickeln, um innezuhalten, sich abzuwenden von Überfluss; um Stille durch Kontemplation oder Sinn in Zweckfreiheit zu finden.
Andere Arbeiten spielen mit der Illusion von Textilem oder wecken haptische Reize. Farbige Linien auf Papier werden so dicht gesetzt, dass die Illusion von Stoff entsteht. Oder daumendicke Ölschichten werden holzschnittartig mit parallelen Kerben überzogen, so dass mit jeder Bewegung des Betrachters vor dem Bild neue, reliefartig plastische Wahrnehmungen entstehen.
Andere Künstler sticken Fäden millimeterfein  in  Leinwände, geometrisch geordnet oder einem diffusen All-Over folgend. Ein besonderes aufwändiges Werk hängt im Eingangsbereich. Es stellt den Schlussakkord einer Serie dar, an deren Ende die Künstlerin einsehen musste, dass eine solch kraftzehrende Arbeit Fortsetzung verbietet. Von Scheitern würde sie nicht sprechen, sondern vom Beschreiten neuer Wege.
Mit dieser Ausstellung ist China IX ist eröffnet, eine perfekte Ergänzung zu den Schwerpunkten, die die Ruhrgebietsmuseen derzeit zeigen.
Bis 8.8.2015, Galerie Schlag, Meisenburgstr. 173, Di-Fr 14-19, Sa 11-16.00
  

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