Dienstag, 16. Juni 2015

Lasst hundert Blumen blühen

Als „Ren Rong, Mr. Ren, nicht Mr. Rong“, stellt sich der chinesische Künstler in perfektem Deutsch und munterem Plauderton vor, „denn in China stehen die Namen andersherum,“ anders als im Deutschen, das der Meister fast ebenso eloquent beherrscht wie sein Galerist. Zu dessen Geburtstag gibt es nun diese besondere Schau im klassisch edlen Ambiente der Galerie, ein Ambiente, das Rens Könnerschaft in passendem Rahmen mit passender Selektion aus seinem Werk würdigt.
Als Ergänzung zu China 8 und anderen Ausstellungen, die Ren derzeit in Museen und Kunstvereinen zeigt, werden hier Arbeiten aus zwei Themenbereichen vorgestellt. Die Mao-Bilder in Holz mit eingeschnittenen floralen Figurationen und Schatten werfende Papierobjekte im Scherenschnitt, dazu klingende Skulpturen aus Edelstahl.
Das zentrale Motiv ist der ausgelassen tanzende Pflanzenmensch, eine Fantasiefigur und Vision für die Verbindung von Mensch und Natur, eine Zukunfts-, Gegenwarts- und Gesellschaftsvision. Mit dieser, vielleicht auch als Alter Ego anzusehenden Figur scheint Ren Rong auch harte Zeiten zu überstehen. Mittlerweile ist er in China hochangesehen, bekannt mit Wei Wei und anderen verfolgten und emigrierten Größen seines Landes und seiner Heimatstadt Peking, wo er derzeit ebenso wie in Bonn ein großes Atelier unterhält. Doch das war nicht immer so. „In meiner Kindheit und Jugend war das Mao Portrait in kahlen Räumen die einzige Dekoration“. Eine Ikone für Hoffnung war es, ein Symbol für Scheitern wurde es, ein ebenso visionäres wie brutales Symbol ist es in der Biografie des Künstlers. Im Portrait des großen Führers auf lackglatter Oberfläche stellt Ren dem großen Führer den Pflanzenmenschen zur Seite. Als Trophäe in der Hand oder den Kopf des Arbeiter- und Bauernführers zierend stellt er eine Widerstands- und Überlebensfigur dar. Mit der Überwindung der gesellschaftlichen Utopie verselbständigt sich diese Figur und belebt in dieser Ausstellung als alleiniges und isoliertes Symbol Rens Kunst. 
Ein frohes, starkes Zeichen ist es für die Kraft des Lebens und die Kraft des Künstlers, schlechte Zeiten zu überstehen. In fein dosierter Aquarellfarbe erinnert es  ausdrucksstark und dynamisch an die Kunst von Matisse. „Lasst hundert Blumen blühen“, der Ausstellungstitel bezieht sich kritisch ironisch auf  Mao, der mit dieser Parole 1956 zur Staatskritik aufrief.
Bis 16.6. 2015, Galerie Goltz, Huyssenallee 85, Do+Fr 15-19, Sa 12-16 Uhr

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