Samstag, 27. Juni 2015

Light & Illusion

Die Rü strahlt, nachts wenn die Galerie beleuchtet ist, tagsüber zieht sich das farbige Licht in den hellen Galerieraum zurück. Aber auch hier entfaltet es eine Intensität, die durchaus in Konkurrenz zur Intensität von Tageslicht treten kann. 
Die erste Einzelschau mit Fotografien der Südkoreanerin Sung Won Hong findet in der Galerie Klose statt. Eine ebenso einfache wie komplexe Ausstellung zum Thema Wahrnehmung und Raum ist es, weil Sung nur ein Motiv braucht: ein geradliniges, geometrisches, kubisch, kantig, quadratisches Motiv, um die Magie des Lichts und die Augentäuschung des Betrachters zu entfalten.
Da es das Motiv, das sie für ihre Kunst braucht, nicht gibt, baut sie es sich: aus einfachen Mitteln, einen stereometrischen Raum, den der Betrachter aus klassischer Frontalperspektive mit gleichbleibendem Fluchtpunkt in die Tiefe hinein fixiert. Übersichtlich, schmucklos so scheint es, aber dennoch reagiert der Blick irritiert. Licht unbestimmbarer Herkunft durchströmt den kahlen, kargen, auf seine Form hin reduzierten Raum. Von oben und unten,  von einer und vielen Seiten zugleich kann der Betrachter die Herkunft der diffusen oder stark leuchtenden künstlichen Lichtquelle schwer verorten. Seh- und Raumgewohnheiten werden außer Kraft gesetzt, schwebend oder saugend wird der Blick in den Raum von allen Seiten des Raumkörpers stimuliert. Je nach Lichtfarbe weicht man zurück oder fühlt sich magisch angezogen. Kaltes Neongrün, sanftes Gelb, wärmendes Rot glühendes Karmin und nüchternes Blau verbreiten Stimmungen ganz eigener Art.
In zwei bis drei Formatgrößen stellt Sung ihre Fotografien her, auch hier ist die Wirkung der Farbe und ihrer Kombination interessant. Zu Zweier- oder Vierergruppen gehängt ergeben sich abwechslungsreiche und flexible Varianten, allein und in großem Format entfaltet die Farbe wie ein Solitär ihre Macht. 
Obwohl die Künstlerin in der Galerie Klose in Deutschland ihren Erstauftritt hat, ist sie über die Landesgrenzen hinaus und besonders in Korea bekannt. Das Medium, mit dem sie konzeptionell arbeitet, versteht sie besonders in der Serie Mimesis II mehr als Malerei denn als Fotografie. 
Bis 15.7. 2015, Galerie Klose, Rüttenscheider Str. 221, Mo-Fr 10-18.30, Sa 11-15.00

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