Mittwoch, 3. Juni 2015

Zum 4. Mal

zeigt Klaus Kiefer spannende Selbstportraits von Künstlern seiner Galerie, weil „ ich glaube, dass viele bei der malerischen Darstellung des eigenen Gesichts ihre künstlerischen  Möglichkeiten ausschöpfen. Es sind Moment- und Bestandsaufnahmen bestimmter Lebensabschnitte, oft ungeschönt und schonungslos, ... die das Gesicht hinter dem Gesicht zum Vorschein bringen.“
Es ist das etwas andere Portrait, welches hier zum Ausdruck kommt. Eine Portraitauffassung ist es, die nicht auf den schönen Schein abzielt, sondern die Dargestellten in skurrilen, unheimlichen, abgründigen oder lächerlichen Situationen zeigt. Nicht die Totalität eines Menschen steht im Rampenlicht, sondern Ausschnitt- und Facettenartiges, eben der Blick hinter die Kulisse des eigenen Ich. Ein Unterfangen mit offenem Ausgang wird so riskiert, das selbstentworfene Gewissheiten der Persönlichkeit in Frage stellt und dabei auch ganz spielerisch  neue Seiten aufschlägt.
Wie stellen sich die Künstler dar? So, dass er „auf sich selbst neidisch“ wird, sagt Pavel Feinstein, als „Komparse“ , so Heike Feddern, einer rätselhaften Bühnenwelt, disharmonisch, irritierend als Spiegel und Nabel der Welt, als Wunschbild, Zerrbild, Traumbild, Trugbild, heiter, ratlos,  ironisch, launisch, besessen.
Vorteilhaft im herkömmlichen Sinn sind viele der gezeigten Ansichten nicht. Pavel Feinstein stellt sich nackt vor der Staffelei beim Malen dar. Grützke zeigt sich als Titan, der Hitlers Kopf mit einem Stößel zermalt. Yongbo Zhao liegt sternhageltrunken zwischen Bierflaschen und peinigenden Dämonen, die ihn im Albtraum umkreisen. Bettina Moras begegnet uns hochschwanger in Rot mit Augen à la Modersohn-Becker, André Schultze dagegen tritt als bärtiger Gimpel auf, aus dessen zartem Gefieder der Kopf des Künstlers ragt.   
Bis 10.6., Galerie KK, Rüttenscheider Str. 56, Di-Fr 11-18.30, Sa 11-13.30
Vom 7.6.-27.9.2015 zeigt die Zitadelle Berlin in Zusammenarbeit mit der Galerie KK 11 Berliner Künstler/innen mit leidenschaftlichen Ansichten des Homo Sapiens, in der Ausstellung „Sei Realist – sei Berliner!“,  eine Ausstellung fern vom Mainstream und Dekorativen.

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