Dienstag, 27. Oktober 2015

China X

könnte man die Ausstellung nennen, die seit August und nur noch für kurze Zeit die  chinesische Abstraktion in der Galerie Schlag
um neue Aspekte bereichert.  „Abstraktion – Figuration“, so der Titel der opulenten Schau zeigt  einen weiteren Einblick in den Fundus von Frank Schlag, der nicht weniger als 30 chinesische Künstler schon entdeckt und unter Vertrag genommen hat, lang bevor sie dieses Jahr in „China VIII“ in landesweiter Kooperation gezeigt wurden. Die Spezialisierung des Galeristen auf chinesische Malerei ist weit über NRW hinaus bekannt und dennoch überrascht er immer wieder mit Neuentdeckungen und ungewohnten Einblicken in bekannt Geglaubtes.
Aktuell figurative tritt in dieser Schau den Dialog zur abstrakten Kunst aus China an,  in poppig schockigen, nachdenklich ausdrucksstarken, klassischen und exzellent gemalten gesellschaftskritischen Bildern.
Kokett hingestreckt hat Hhou Thiehai seine Kameldame auf ein Kanapee, wo sie rücklings und aufreizend die klassische Aktmalerei parodiert. Man mag an Goyas Maya oder Manets Olympia denken, aber diese Dame hier sprengt jede Dimension. Dabei zieht sie die Lacher gutgelaunt und unschuldig auf ihre Seite. 
Während Zhong Biaos Bikinimädchen mit langen Händen über einen riesenhaften Adlerkopf streichen, collagiert Wei Dong die ausgediente Mao-Soldateska mit einem hochschwangeren Venus-Akt und skandiert so ein unüberhörbares Ausrufe- und Fragezeichen hinter jede Form kommunistischer Ideologie. Auch andere Künstler räumen kräftig auf mit kollektiver Moral und verblichenen Normen aus dem Reich der Mitte. Li Jis überüppige Lack-Konkubinen posieren vor niedlichen Lämmern und scheinen so die bissige Gesellschaftskritik eines George Grosz auf die chinesische Pop-Art zu übertragen, um Schluss zu machen mit jedem propagandistischen Anspruch des ausgedienten Arbeiter- und Bauernstaats.
 24. 10. 2015, Galerie Frank Schlag, Meisenburgstr. 173, di-fr 14-19, sa 11-16 Uhr 

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